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Ich schlug die Augen auf mit einem angenehmen Erstaunen darüber, die erste Nacht so glimpflich hinter mich gebracht zu haben.

Ein älterer Herr mit zwei Eimern voller Tomaten stieg zu. Er drängte sich an mir vorbei und stellte sich in die Ecke zwischen Sitz und Fenster. Er sagte irgendetwas auf Serbisch zu mir. Ich antwortete ihm auf Serbisch, dass ich ihn nicht verstünde. Er antwortete auf Serbisch. Er stellte einige Fragen. Ich beantwortete sie nach bestem Gewissen.

Die Autobahn ist sehr laut und sehr grau. Natascha meint, ich müsse für die Fahrt nicht bezahlen. Den Grund habe ich nicht richtig verstanden.

Das Wasser ist im ersten Moment kühl, im zweiten gar nicht so sehr. Obwohl ich mich vor den Fischen fürchte, schwimme ich bis raus in die Mitte des Flusses. Ich habe keine Angst. Draußen in den Sesseln unter Sonnenschirmen tue ich so, als hätte ich keine Probleme mit meinem Körper. Es klappt erstaunlich gut. Obwohl er käseweiß ist. Natascha meint, ich sollte in meiner freien Zeit öfters an den Strand kommen. Nächsten Sonntag wieder.

Natascha kauft eine riesige Wassermelone im Idea. Ich trage sie ihr nach Hause. Sie gibt mir ein Stück. Ihres isst sie, indem sie es in dünnen Stücken aus der Schale schneidet.

Ich trage meine Kamera spazieren, will aber keine Fotos schießen. Ich sitze im Kulturzentrum in Savamala, trinke Cappuccio und halte die Leute fest, die an Tischen sitzend Brettspiele in kleinen Gruppen spielen. Als ich gehen will, fällt mir die Treppe ins Auge. An ihrem oberen Ende steht eine weiße Tür halb offen. Ich steige die Stufen hoch und gelange in einen großen Raum. An der ersten Wand stehen Bücher in deutscher Sprache aufgereiht auf einem Board. Auf zwei großen Leinwänden werden Interviews gezeigt. An der gegenüberliegenden Wand hängen viele, kleine Fotos. Sie ziehen sich über die Wand wie eine Borte.

Ich laufe den Weg ab, den ich gestern mit Natascha zur Polizeistation gegangen bin. Ich weiß ihn tatsächlich noch und treffe auf das süße Café von gestern. Gleich nebenan geht ein zweites verwinkelt in den Innenhof hinein. An den Wänden zum Innenhof hängen Fotos von Vermummten und Polizisten. Ich bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll. Ich bin früh dran, bestelle umständlich ein Bier und frage, ob wir den Film anstatt mit serbischen mit deutschen Untertiteln schauen können, weil ich weder Farsi noch Serbisch verstehe. Ich kann nicht glauben, dass die Bilder nicht inszeniert sein sollen. Zwischendurch schmerzen die Knie.

Während ich schreibe, merke ich das Kratzen in meinem Hals deutlicher. Ich habe Angst um meine Ohren und meine Gesundheit. Morgen möchte ich zur Schule laufen, aber es soll regnen. Nicht gut für Gesundheit. Aber ich weiß Weg nicht mit Bus.

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