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Die Nacht brach wie aus Eimern.

Die gestrigen Prognosen bewahrheiteten sich. Schon in der Nacht trieb sich draußen ein Unwetter durch die düsteren Straßen. Mehrmals wachte ich aus meinem Träumen auf. Falls ich überhaupt träumte. Frische Luft schlug mir entgegen als ich am frühen Morgen das Fenster zur Straße hin öffnete. Ein ordentliches schnelles Frühstück, bevor ich mich einpackte; so dick es eben ging mit all den Sommerklamotten im Schrank. Den Schirm stahl ich mir aus der Garderobe Nataschas. Vielmehr borgte ich ihn mir. Ich hatte mein Ziel vor Augen und einen Plan zurecht gelegt. Durch den Krankenhaus-Distrikt, die lange Straße am Park vorbei und dann links einbiegen zur Schule. Ich ging mit den Massen und verirrte mich heillos. Die Kreisel der Autobahnen rissen meine Nerven entzwei. Verzweifelt flehte ich an einem frühen Montagmorgen gehetzte Belgrader Bürger an, mir aus dem Niemandsland zwischen Autobahn, schlammigen Wegen und gerissenen Steinplatten in all den Regenstürmen und dem Grau des Morgens, mir einen Weg hinaus zu weisen in zivilisiertere Gefilde. Tränen schossen mir in die Augen.

Google berechnete mir 40 Minuten für den Weg, ich nahm mir 1 1/2 Stunden und traf schließlich durchnässt und mit schlammigen Schuhen in der Schule ein. Ein vom Regen zerfledderter Stadtplan in der einen, den mitgenommenen Regenschirm in der anderen Hand. Notdürftig befreite ich meine Schuhe auf dem Damenklo vom Matsch.

Der Schulleiter erzählte mir groß und breit wie so eine Auslandsschule aufgebaut ist, obwohl ich das meiste aus eigener Erfahrung kannte. Um seien Hals trug er eine rote, gesteppte Krawatte mit schwarzen Einsprengseln. Die gefiel mir.

Auf dem Rückweg kam ich an einem Stadion vorbei. Links waren, glaub ich, Flüchtlinge untergebracht. Ich nahm die Brücke über die Autobahn, die ich auf meinem Hinweg links liegen gelassen hatte und kam über einen kaputten Waldweg an die stark befahrene Straße am Park Karadjordje. Ich lief die Straße an der einen Seite hoch, um, nachdem ich sie dort überquert hatte, auf der anderen Seite wieder hinunter zu laufen. Zuhause duschte ich mir den Dreck, den Schweiß, die Nässe und die zerrissenen Nerven vom Leib.

Natascha gab mir zu Essen. Ich kochte ihr Kamillentee und gemeinsam schauten wir serbisches Fernsehen.

Ich lief durch Straßen, fühlte mich hässlich und krank. Ich weiß nicht, warum es mir so geht. Mein Hals macht Querelen. Vielleicht sind es auch meine Nerven. Ich möchte mich gesünder ernähren, ich möchte abnehmen, ich möchte schön sein, ich möchte auch die Blicke der Männer auf mir spüren, ich möchte begehrt werden, ich möchte geliebt werden, ich möchte mich geborgen fühlen, ich

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