sest

An lauen Sommerabenden über der Stadt thronend, die Autos rauschen vorbei. Lichter blinken und am Horizont macht sich die Nacht bereit, um die Stadt in Lichterglanz zu tauchen.

Die warme Luft umfließt mich. Ich fühle mich geborgen, wie ein Baby im Bauch seiner Mama. Ich sitze auf dem Bug eines Bootes. Links schaue ich auf den Hang, wo aus dem ganzen Grün vereinzelt Wochenendhäuser ihre Köpfe strecken. Am anderen Ufer grasen Pferde und Rinder. Sie führen ein schönes Leben, hier wo sie niemand stört. Und auf der kleinen Insel dort in der Donau lebt eine Mamasau mit ihren tausend Ferkeln. Das Boot setzt auf. Sophia, Natascha, Vlada und ich klettern heraus auf die Sandbank. Mit Hüten und Schaufeln bewaffnet bauen wir Burgen in dem Idyll.

Wenn Vlada von den Kriegstagen in Belgrad erzählt, lausche ich gespannt. Seine Version gefällt mir. Das Leben geht weiter, ob man will oder nicht. Nur die Arbeit bleibt liegen. Da bleibt viel Zeit für anderes. Aber natürlich kennt der Krieg auch schlechte Tage. Dann nämlich, wenn einen urplötzlich und aus dem Nichts die Angst schüttelt. ‘Aggrophobia’; so nennt er das. Warum der Krieg frage ich ihn? Es ist die Unbildung, nichts weiter. Viel Analphabetismus und die Alten, die mit ihren konservativen Gedanken das Land leiten. Denn zwischen den “Völkern”, die sich im Krieg gegenüberstanden, bestehe kein Unterschied. Nicht einmal die Sprache ist eine andere. Wenn es nur um das Persönliche ginge, so seien sie wie Schwestern und Brüder. Aber sobald irgendwer große Reden über Völker und Nationen schwingt, stehen sich ehemals Schwestern und Brüder in Feindschaft gegenüber.

Eines Nachts in einem der Hochhäuser der Stadt bei Alkohol und einem Joint in schummriges Kerzenlicht getauchtes Beisammensein, deutet plötzlich ein weißer Schwall Licht direkt auf dich und trifft, Gott sei Dank nicht dich, sondern bloß die Antenne des Hochhauses nebenan. Du hältst die Luft an für einen Moment, aber wie lange willst du in dieser Position verharren?

Ich sitze neben Sophia auf der Treppe vor dem Haus. Sie erklärt mir die Bilder auf Serbisch. Die großen meinen: wie eine Professorin. Ich bin ihr sehr dankbar dafür. Im Auto auf dem Rückweg schläft sie sofort ein.

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